Aktuelles in Nußloch
„Wir erinnern uns“ – Gedenken und ökumenische Andacht am 9. November in Nußloch
Erstelldatum14.11.2025
In einer Zeit, in der Krisen, Kriege und Hassbotschaften die Nachrichten prägen, ist das gemeinsame Erinnern wichtiger denn je. Alte Konflikte entfachen neu, Feindbilder werden wiederbelebt – Antisemitismus, Rassismus und Hetze gewinnen zunehmend Raum, auch mitten in dieser Gesellschaft.
Um in Gemeinschaft zu gedenken, findet in Nußloch jährlich eine Gedenkstunde am Mahnmal „Gurs“ statt. Das Mahnmal wurde 2020 im Park wieder aufgebaut, um an die nach Gurs deportierten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erinnern und um allen Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung ein sichtbares Zeichen zu setzen. Mit seiner zentralen Lage im Park begegnet Erinnerung hier den Menschen im Alltag.
In diesem Jahr wurde die Gedenkstunde aufgrund des Wetters wieder in der evangelischen Kirche abgehalten. Dort wurde gemeinsam aller Jüdinnen und Juden gedacht, die am 22. Oktober 1940 aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Internierungslager Gurs im Süden Frankreichs deportiert wurden. Viele überlebten die unmenschlichen Bedingungen nicht; andere wurden später in die Vernichtungslager im Osten deportiert.
Was damals geschah, ist Teil der Ortsgeschichte: Die Betroffenen waren Nachbarn, Freunde, Mitschülerinnen und Geschäftspartner – Menschen aus der Mitte der Gemeinde. Mit jedem Jahr werden die Stimmen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen leiser. Damit wächst die Verantwortung, das Erinnern aktiv wachzuhalten, insbesondere für die jüngeren Generationen.
Bürgermeister Joachim Förster betonte in seiner Ansprache: „Erinnerung soll nicht abseitsstehen, sondern uns im Alltag begegnen. Wer erinnern will, muss erkennen, wie schnell Menschenwürde ins Wanken geraten kann, wenn Gleichgültigkeit und Feindseligkeit sich ausbreiten.“ Das Gedenken, so Förster, sei nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern ein Auftrag für die Gegenwart: „Erinnerung darf nicht nur Rückblick sein. Sie ist Verpflichtung – jeden Tag, überall. Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit sind keine Selbstverständlichkeit. Das ‚Nie wieder‘ gilt nur, solange wir es mit Leben füllen.“
Erinnerung bedeutet, für Menschenwürde einzustehen, für Demokratie einzutreten und Hetze entschieden entgegenzutreten. Mit der jährlichen Gedenkfeier setzt Nußloch gemeinsam ein klares Zeichen gegen das Vergessen – und für ein respektvolles, menschliches Miteinander.
Ein herzlicher Dank gilt allen, die an der Gedenkstunde teilgenommen haben, sowie dem engagierten Organisationsteam der ökumenischen Gemeinde. So bleibt das Erinnern in Nußloch lebendig – als Zeichen der Menschlichkeit, Verpflichtung gegenüber den Opfern und Ermutigung für die Zukunft.
